Wissenswertes über die Insel



Korsika: (französisch La Corse), Insel im Mittelmeer, 8680 km2, 260000 Einwohner, Region Frankreichs mit zwei Départements (Haute-Corse und Corse-du-Sud), Hauptstadt ist Ajaccio. Korsika ist ein stark zertaltes, wildes Gebirgsland (im Monte Cinto 2710m über dem Meeresspiegel) mit fruchtbaren, zum Teil versumpften Küstenebenen im Osten. Die Westküste ist reich gegliedert. Korsika hat Mittelmeerklima. Der größte Teil der Insel wird von Macchie und Wald eingenommen. Wichtigste Wirtschaftszweige sind Landwirtschaft (besonders Schaf- und Ziegenzucht) und Fremdenverkehr. In den Küstenzonen gedeihen Wein, Zitrusfrüchte, Olivenbäume und Korkeichen, in höheren Lagen Edelkastanien und Obstbäume. Fischerei, v.a. auf Thunfisch und Sardellen.

Geschichte: An der Küste von Etruskern, Griechen und Karthagern besiedelt, stand Korsika seit dem 5.Jahrhundert v.Chr. unter karthagischer, seit 238 v.Chr. unter römischer Herrschaft, im 5./6.Jahrhundert unter der Herrschaft der Wandalen, des Byzantin. Reiches und der Langobarden. Sarazenen und Mauren überfielen Korsika häufig. Nach deren Vertreibung durch Pisa und Genua stritten sich beide Städte um die Insel. 1735 machten die Korsen den Abenteurer Baron Theodor Neuhof zu ihrem König; 175559 war General P.Paoli Diktator. Genua verkaufte 1768 die Insel an Frankreich. Im Zweiten Weltkrieg war Korsika 1942/43 von deutschen und italienischen Truppen besetzt. Ende der 60er-Jahre verstärkten sich die Autonomiebestrebungen, vertreten von der Union des korsischen Volkes (UPC) und der Nationale Front zur Befreiung Korsikas (FLNC). 1982 erhielt Korsika ein Autonomiestatut, das 1992 erneuert und erweitert wurde. Die FLNC, die die Unabhängigkeit der Insel mit terroristischen Mitteln anstrebt, wurde 1983 verboten, trat aber in den 90er-Jahren immer wieder mit Anschlägen hervor (unter anderem Ermordung des Präfekten im Februar 1998). Seit Dezember 1999 bemüht sich Premierminister L.Jospin selbst um eine Lösung der Korsika-Frage.

 

Korsikas Landschaft ist vor allem von seinem Zentralgebirge geprägt, dessen von Nordwesten nach Südosten verlaufender Kamm die Insel in zwei Teile gliedert: in den sanfteren Osten mit einer Küstenebene und Sandstränden und in den wilderen Westen mit einer Golfkette und Steilküsten. Der Großteil der Insel wird von der Macchie bedeckt, in günstigen Lagen wird Landwirtschaft betrieben; die meisten der einheimischen Pflanzen begegnen im Hochgebirge.

 

Etwa 40% der Bevölkerung leben in einer der zwei einzigen größeren Städte Korsikas, Bastia oder Ajaccio, den Hauptstädten der beiden französischen Verwaltungsbezirke Haute-Corse (1995: 135000 Ew.) und Corse-du-Sud (124000 Ew.). Bastia im Nordosten ist das Handelszentrum der Insel. Korsikas lang gestreckte Nordspitze bildet das karge Cap Corse, zum Westen hin folgen das fruchtbare Nebbio und die Balagne mit Calvi als Touristenzentrum und einem idyllischen Hinterland. Die Westküste wird von vier großen Golfen geprägt. Am wildesten ist der Golf von Porto mit den bizarren Felsformen der Calanche. Ajaccio ist vor allem die Geburtsstadt des berühmtesten Korsen, NapoleonsI. Im Süden ist Bonifacio auf den steilen Kalkfelsen an Korsikas Südspitze die größte Touristenattraktion, aber Porto-Vecchio mit seinem schönen Golf das Touristenzentrum. Die landschaftlich wenig reizvolle Ostküste ist vor allem bei Badefreunden beliebt; die an die Küstenebene angrenzende Region Castagniccia hat im korsischen Unabhängigkeitskampf eine große Rolle gespielt. Mitten im Inselinnern liegt Corte, einst kurzzeitig Korsikas Hauptstadt, heute günstiger Ausgangspunkt für Wanderungen im Zentralgebirge. Für waschechte Wanderfreunde stehen mehrere Fernwanderwege zur Verfügung, auf denen man in mehreren Etappen etwa das Zentralgebirge durchwandern, vom Gebirge ans Meer oder von Küste zu Küste wandern kann.

Die Insel erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über 185 km, in Ost-West-Richtung 85 km und weist über rund 1000 km Küste auf. Mit 8580 km2 Fläche ist sie die viertgrößte und mit über 20 Zweitausendern die gebirgigste Mittelmeerinsel; die höchste Erhebung, der Monte Cinto, misst 2710m; das gesamte Gebirgsmassiv bildet fast die Hälfte der Insel und ist von schroffen Gipfeln und tiefen Schluchten gekennzeichnet sowie von Hohlblockbildungen (Tafoni) im Granit und Spuren eiszeitlicher Vergletscherung (Kare, Moränen). Der ungefähr von Norden nach Süden verlaufende Gebirgskamm gliedert die Insel in zwei etwa flächengleiche Teile. Während im Osten dem Bergland eine breitere Küstenebene vorgelagert ist, die Küstenlinie leicht geschwungen ist und breite Sandstrände vorherrschen, fallen die Gebirgszüge im Westen erst in Ufernähe als mehrere Hundert Meter hohe Steilküsten ab, wechseln Kaps und weit ins Land ragende Golfe ab und sind die schmalen Sandstrände oft durch Klippen unterbrochen. Das Klima ist mediterran, nur die Höhen im Innern weisen kontinentale Züge auf. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt etwa 16ºC; im Hochsommer sind im Küstenbereich 30ºC üblich, die Wassertemperatur erreicht dann bis zu 25ºC. Das Wetter wird vor allem durch sieben verschiedenen Winde bestimmt, die unvorhergesehene Wetterumschwünge bewirken können. Meistens weht aus Südwesten der Libecciu, der im Sommer heiße und trockene Luft, im Winter Kälte und Regen bringt. Der unberechenbare Maestrale (Mistral) führt aus Nordwesten kühle und klare Luft mit sich und sorgt für gute Weitsicht. Der Schirokko bringt mit seiner heißen und feuchten Luft aus Süden oft überraschende Gewitter.

 

Flora und Fauna: Mehr als die Hälfte Korsikas ist von der Macchie bedeckt, der typisch mediterranen Buschvegetation. Sie besteht aus zahlreichen Pflanzenarten, vor allem Zistrosen, ferner Affodill, Baumheide, Dornginster, Erdbeerbaum, Lavendel, Mastixstrauch, Myrte, Stechweide, Thymian und Wacholder. Aus ihnen strömt der unverwechselbare Duft, der besonders in der heißen Jahreszeit die Insel beherrscht. Die starke Ausbreitung der Macchie geht auf die Abholzung, die Überweidung sowie die unzähligen, häufig gelegten Waldbrände zurück, die die Macchie mit ihren widerstandsfähigeren Pflanzen als Sekundärvegetation haben entstehen lassen.
Es lassen sich drei Vegetationszonen unterscheiden. In den Tieflagen (bis 500650m) werden Getreide, Gemüse und Obst angebaut; ansonsten wird Weidewirtschaft betrieben, werden Korkeichen und Ölbäume genutzt. Außerdem wachsen hier Steineichen, Schirmpinien, Aleppokiefern und Palmarten. In der mittleren Vegetationszone (bis 10001500m) finden sich an sonnigen Hängen Zitruspflanzen und Ölbäume, in Hochtälern auch Edelkastanien. In Hochwäldern sind die Korsische Schwarz- und Sternkiefer verbreitet. Birken und Weißtannen reichen bis zur Baumgrenze bei etwa 1800m. In der alpinen Vegetationszone um 2000m sind die meisten endemischen Pflanzenarten anzutreffen wie die Korsische Grünerle; über 2000m wachsen Gebirgsblumen wie Ehrenpreis, Grasnelken, Fingerkraut und Gebirgsheiden.

Zu den charakteristischen Tierarten gehören vor allem der Mufflon, der endemische Kappenkleiber, ferner Bartgeier, Fischadler, Königsadler, Kormoran und Papageientaucher.

Zur Erhaltung der für Korsika typischen Pflanzen- und Tierwelt wurde der korsische Naturpark (Parc Naturel Régional de la Corse) geschaffen; er erstreckt sich von der Nordwestküste (Golf von Porto und Golf von Galéria) über das gesamte Zentralgebirge fast bis zur Südwestküste (von Porto-Vecchio bis Solenzara) und umfasst neben den höchsten Bergen auch die größten Waldgebiete und bedeutendsten Naturschönheiten Korsikas.

 

Der Norden: Von Bastia über Cap Corse bis Calvi

 

In Bastia kommt der Großteil der Touristen aus Deutschland und den Alpenländern mit der Fähre an, und zwar im Neuen Hafen, über den auch gut die Hälfte des korsischen Güterverkehrs läuft. Die Hauptstadt des Départements Haute-Corse ist mit 38500 Einwohnern die zweitgrößte Stadt und mit ihren Industrievororten das Beschäftigungszentrum Korsikas. Die beiden Teile der Altstadt Terra Vecchia und Terra Nova befinden sich nördlich und südlich des Alten Hafens, der mit den Fischerbooten und Segelschiffen einen malerischen Anblick bietet. Im Zentrum der Terra Vecchia, des alten Hafenviertels, liegt der Place de l«Hôtel de Ville, der als Marktplatz genutzt wird. Umgeben wird er von der Barockkirche Saint-Jean-Baptiste und den alten Wohnhäusern mit ihren engen Gassen. Die lang gestreckte Place Saint-Nicolas im Norden bildet mit den Restaurants und Straßencafés einen weiteren Touristentreffpunkt, der parallel dazu verlaufende Boulevard Paoli die Hauptgeschäftsstraße. Zur Terra Nova, der Zitadelle, gelangt man vom südlichen Kai des alten Hafens aus. Der Wehrturm und die Festungsmauer stammen aus der frühen Zeit der genuesischen Herrschaft (14.Jahrhundert). Außer alten Häuser, engen Gassen und zwei Kirchen begegnet man in der Zitadelle dem Gouverneurspalast, in dem sich das Museum für korsische Volkskunde befindet.

Die Küstenstraße um Cap Corse, das etwa 40km lange und 15km breite Vorgebirge im Nordosten, führt durch idyllische Fischer- und Bergdörfer, an genuesischen Wehrtürmen und hervorragenden Aussichtspunkten vorbei. Von der höchsten Erhebung aus, dem Monte Stello (1307m), lässt sich das ganze Kap überblicken. Nördlich von Erbalunga, einem malerischen Fischerdorf, beginnt die Macchie, die das Kap größtenteils bedeckt. Bei Macinaggio verlässt die Straße die Ostküste und führt an dem Bergdorf Rogliano vorbei über die Ausläufer des Vorgebirges an die steile Westküste des Kaps. Es lohnen sich Abstecher zu dem Aussichtspunkt Moulin Mattei und zu dem Hafenort Port de Centuri. Die Küstenstraße ist äußerst kurvenreich; von Pino bis Canari führt auch eine überdies schmale Höhenstraße.

Das Nebbio bildet das fruchtbare Becken um die Schwemmlandebene des Aliso, der bei Saint-Florent ins Meer mündet. Geschützt durch die umgebenden Gebirgsketten, wird das Nebbio landwirtschaftlich stark genutzt (Getreide-, Obst- und Weinanbau, Korkeichen- und Olivenhaine, Weidewirtschaft). Saint-Florent, einst heftig umkämpft, hat sich vor allem wegen seiner feinsandigen Strände zu einem beliebten Touristenort entwickelt. Nördlich der Straße von Saint-Florent nach L`Ile Rousse liegt der Désert des Agriates, ein Ödland, das einst landwirtschaftlich genutzt wurde und heute nahezu unbewohnt ist.

Die Balagne im Nordwesten reicht von der Küste bis zu den ersten Gipfeln der Hochgebirgskette; sie gliedert sich in die »fruchtbare« Balagne im Norden mit den Hauptorten L'Ile Rousse und Calvi und in die »öde« Balagne an der Westküste mit Galéria als Hauptort. Neben schönen Stränden hat die fruchtbare Balagne im Hinterland hübsche Bergdörfer inmitten von Getreidefeldern und Weinbergen, Obstgärten und Ölbaumhainen zu bieten; sie wird auch als das »heitere« Korsika bezeichnet. Das Wahrzeichen des Touristenzentrums Calvi (3600 Einwohner, bis zu 30000 Besucher) ist die auf einem Felsvorsprung thronende Zitadelle; im 15.Jahrhundert von den Genuesern erbaut, konnte sie erst 1794 von den Engländern erobert werden. Im Fährhafen neben dem Jachthafen landen in der Hochsaison vor allem Fährschiffe aus Nizza und Marseille. In den Cafés und Restaurants am Hafenkai und in der Fußgängerzone der Unterstadt drängen sich dann die Touristenscharen. Vor ihnen kann man ins liebliche Hinterland mit seinen malerischen Bergdörfern flüchten.

 

Der Westen: Von Porto nach Propriano

 

An der Westküste reihen sich vier große Golfe aneinander: die Golfe von Porto, Sagone, Ajaccio und Valinco. Am wildesten ist die Küstenlandschaft am Golf von Porto. Der charakterlose Touristenort Porto bietet in seiner Umgebung große Attraktionen. Nördlich liegen der reizvolle Golf von Girolata und die Halbinsel Scandola (Naturreservat), die nur zu Fuß oder mit dem Boot zu erreichen sind. Landeinwärts lohnt eine Wanderung durch die großartige Spelunca-Schlucht, die der Fluss Porto durchfließt. Südlich des Golfs finden sich im gelb-roten Granit der Calanche die bizarren Felsformen, deren kugel- oder ellipsenförmige Aushöhlungen durch Tafoniverwitterung entstanden sind; durch die beeindruckende Felslandschaft führen mehrere Wege mit Ausblicken auf den Golf.

Ajaccio, Hauptstadt des Départements Corse-du-Sud, streitet seit zwei Jahrhunderten mit Bastia um die politische und wirtschaftliche Vorherrschaft auf der Insel. Jedenfalls ist Ajaccio seit 1982 Sitz des korsischen Regionalparlaments, mit 58000 Einwohnern die größte Stadt und nicht zuletzt die Geburtsstadt NapoleonsI. Gerade auch im Winter ist Ajaccio ein beliebter Aufenthaltsort. Der Hafen wird nur von den französischen Fähren aus Nizza und Marseille angefahren. An den Hafen schließt sich die touristisch relevante Altstadt an. Die Zitadelle stammt aus dem 16.Jahrhundert; vom Militär genutzt, ist sie für Touristen nicht zugänglich. Die Kathedrale Notre-Dame-de-la-Miséricorde, in der zweiten Hälfte des 16.Jahrhunderts im Stil der italienischen Renaissance gebaut, ist im Innern prächtig gestaltet. Fast allgegenwärtig ist der weltberühmte Sohn der Stadt: Erinnerungsstücke bergen die Maison Bonaparte, Napoleons Geburtshaus, und das Musée Napoléonien mit Familiengalerie im Hôtel de Ville; Denkmäler stehen auf den Places Foch, Général de Gaulle und d`Austerlitz (außerhalb der Altstadt). Im Palais Fesch lagert eine bedeutende Sammlung von Werken italienischer Meister vom 13. bis 18. Jahrhundert, von denen aber nur ein kleiner Bruchteil gezeigt wird.

Am mildesten und daher am besten zum Baden geeignet ist der Golf von Valinco. Dessen Hauptort Propriano mit Fährverbindung zum französischen Festland ist nur in der Hochsaison gut besucht. Im Norden des Golfs sind die prähistorischen Fundstätten bei Filitosa mit zahlreichen Menhirstatuen der älteren Megalithiker (35001000 v.Chr.) sowie turmartige Kult- und Festungsbauten der sie bekämpfenden Torreaner (ab 1600 v.Chr.) zu besichtigen.

 

Der Süden: Von Sartène bis Porto-Vecchio

 

Sartène, oberhalb des Rizzanèsetals an einem Hang gelegen, wird gern als »korsischste« Stadt der Insel bezeichnet. Die Geschichte der Stadt war über Jahrhunderte von der Herrschaft der Grundbesitzer und ihren Fehden geprägt; und im Altstadtviertel scheinen die mehrgeschossigen, kleinfenstrigen, festungsartigen Häuser aus Granitblöcken noch eine feindselige Stimmung auszustrahlen. Zentrum ist die Place de la Libération mit der Église Sainte-Marie und dem Hôtel de Ville im einstigen Palais der genuesischen Gouverneure. Das Museum für korsische Frühgeschichte im ehemaligen Gefängnis zeigt Funde aus der Jungsteinzeit bis zur Eisenzeit. Wegen seiner prähistorischen Fundstätten ist auch das reizvolle Umland Sartenais berühmt; sehenswert sind vor allem die Fundstätten von Cauria mit zahlreichen Menhiren aus der frühen Megalithkultur und dem riesigen Dolmen von Fontanaccia sowie die Alignements von Pagliaju mit insgesamt über 250 in Gruppen aneinander gereihten Menhiren.

Eine Touristenattraktion ist Bonifacio an der Südspitze der Insel. Erbaut auf einer Landzunge, deren Kalkfelsen bis zu 60m steil aus dem Meer aufragen, hat die Altstadt ihr spätmittelalterliches Stadtbild mit den engen Treppengassen weitgehend erhalten. Von der modernen Unterstadt mit Fähr-, Fischerei- und Jachthafen gelangt man über eine Treppengasse auf dem Steilfelsen in die Oberstadt, die sonst durch ein Fjord von der Insel getrennt ist. Bedeutende Bauwerke sind die Kirche Sainte-Marie-Majeure, deren Strebebögen mit den umliegenden Häusern verbunden sind, in der Stadtmitte und die Kirche Saint-Dominique, das wichtigste der wenigen gotischen Bauwerke der Insel, hinter der Zitadelle. Von der Place Manichella bietet sich ein großartiger Blick auf die leuchtend weißen, teils überhängenden Kalkfelsen an der Südspitze sowie über die 12km breite Straße von Bonifacio auf Sardinien.

Porto-Vecchio bildet das Touristenzentrum Südkorsikas (8000 Einwohner, 24000 Betten). Von den genuesischen Befestigungsanlagen sind Teile der Zitadelle und die Porte Génoise mit Resten der Stadtmauer erhalten. Geeignete Badestrände finden sich im gut geschützten, von sanften Hügeln umgebenen Golf von Porto-Vecchio wie in beiderseits benachbarten Buchten. Lohnenswerte Ausflüge führen zu den prähistorischen Kultstätten mit Monumenten der Torreaner im Umland, so bei Bruschiccia, Ceccia und Tappa im Süden und bei Arraggiu und Torre im Norden (nach der Kultstätte bei Torre sind die Torreaner benannt worden, deren Herkunft unbekannt ist), oder in den Wald von L`Ospedale, einen Kiefernwald in bergiger Landschaft mit vielgestaltigen Tafoniverwitterungen im Hinterland. Landschaftlich höchst reizvoll ist die Strecke von L`Ospedale vorbei am Stausee und Wasserfall Piscia di Gallo nach Zonza, weiter über den Col de Bavella mit prächtigen Ausblicken auf die nadelförmigen Granitspitzen der Bavellagruppe nach Solenzara.

 

Der Osten: Von Solenzara bis Bastia

 

Nördlich von Solenzara beginnt die Plaine Orientale, eine Küstenebene, die bis Bastia reicht und bis zu 15km breit ist. Obwohl landschaftlich eher reizlos, ist sie bei Badefreunden wegen ihrer feinsandigen Strände beliebt. Ein Kennzeichen der Ostküste sind die größeren Lagunen, Etangs genannt; am größten ist der Etang de Biguglia südlich von Bastia, der 10km lang und bis zu 3km breit ist. In den Etangs werden Fische und Muscheln, vor allem Austern gezüchtet. Jahrhundertelang war in ihnen die Anophelesmücke verbreitet, und die Küstenebene war ein gefürchtetes Malariagebiet. Erst im Zweiten Weltkrieg schafften die Amerikaner mittels DDT Abhilfe, als sie die von den Deutschen besetzten Gebiete zurückeroberten. In der fruchtbaren Schwemmlandebene wird seit den 1950er-Jahren, zunächst gefördert von der französischen Zentralregierung, Getreide, Obst und Gemüse angebaut. Die meisten Ferienorte in der Küstenebene sind gesichtslos; Solenzana gehört zu den Ausnahmen. Aléria, auf einem Hügel an der Mündung des Tavignano gelegen, ist seit der Jungsteinzeit besiedelt. Ausgegraben sind vor allem die Ruinen aus römischer Zeit wie Reste eines Tempels, des Prätoriums, des Forums und der Thermen; bronzezeitliche und antike Relikte sind im Fort Matra, einer renovierten Burganlage aus dem 16.Jahrhundert, ausgestellt. Die südlich von Bastia liegende frühere Kathedrale Santa-Maria-Assunta, 1199 geweiht und später La Canonica genannt, ist die bedeutendste pisanische Kirche auf Korsika. Im 16.Jahrhundert wurde sie zum Teil, der Glockenturm und der Bischofspalast wurden bis auf die Grundmauern zerstört. Die geschichtsträchtige Region Castagniccia reicht von der Plaine Orientale bis zur Linie Ponte Leccia  Corte; im Norden wird sie vom Golo, im Süden vom Tavignano begrenzt. Sie wird vom Monte San Petrone (1767m) überragt, der als schönster Aussichtsberg Korsikas gilt, da man von ihm aus das gesamte Zentralgebirge überblicken kann. Ihren Namen hat die Region von den Kastanienhainen, die dort bis ins 18.Jahrhundert genutzt wurden (Kastanienmehl und -holz). Lange Zeit war sie mit ihren fruchtbaren Böden überdurchschnittlich dicht besiedelt. Eine bedeutende Rolle in der Geschichte Korsikas spielte sie vor allem im Rahmen des korsischen Unabhängigkeitskampfes (17291769): In verschiedenen Klöstern der Region, vor allem im Kloster von Orezza, versammelten sich die Köpfe der Unabhängigkeitsbewegung zu Consultas, um grundlegende Entscheidungen zu treffen. Die Consulta im Kloster d`Alesani wählte 1736 Baron Theodor von Neuhoff, der Unterstützung aus dem Ausland zugesagt hatte, als TheodorI. zum ersten und letzten König von Korsika; der Glücksritter verließ seine Residenz im Bischofspalast von Cervione, dem größten Ort der Region (1500 Einwohner), noch im selben Jahr unverrichteter Dinge. In Morosaglia wurde 1725 der »Vater des Vaterlands«, der Volksheld Pasquale Paoli geboren, der 1755 von der Consulta im Kloster Saint-Antoine de Casabianca zum General der Nation gewählt wurde. Unter seiner Leitung gelang es, den Großteil der Insel von der Herrschaft der Genueser zu befreien. Nachdem die Genueser 1768 die Insel Frankreich verpfändet hatten, wurde Paoli 1769 bei Ponte Nuovo im unteren Golotal von den Franzosen vernichtend geschlagen.

Corte mitten im Inselinnern war zur Zeit des korsischen Unabhängigkeitskampfes heftig umkämpft. Paoli ernannte sie 1755 zur Hauptstadt und gründete 1765 eine Universität. Die Zitadelle, auf einem Felsen oberhalb der Einmündung der Restonica in den Tavignano errichtet (ab 14.Jahrhundert), beherrscht das Stadtbild; sie beherbergt heute das Museum für korsische Geschichte. Im Mittelpunkt der Altstadt (Ville Haute) befindet sich die Place Paoli mit dem Standbild des korsischen Freiheitshelden, an höchster Stelle um die Place Gaffori stehen die Eglise de l`Annonciation und das Palais National, das einst Residenz der genuesischen Verwaltung und von 1755 bis 1769 Paolis Regierungssitz war. Der Cours Paoli bildet die zentrale Achse durch den neueren Teil Cortes; er führt von der Place Paoli zum Hôtel de Ville.

Das Zentralgebirge in der Umgebung von Corte bietet mit seinen Schluchten, Hochtälern, Bergseen und Gipfeln zahlreiche Ausflugs- und insbesondere Wandermöglichkeiten. Von Corte aus lässt sich die Tavignano-Schlucht nur auf einem Saumpfad erwandern. Die Restonica-Schlucht ist durch eine Fahrstraße erschlossen, die bei einer Bergerie endet; sie ist Ausgangspunkt stark frequentierter Wanderwege zu mehreren Gebirgsseen sowie zum Monte Rotondo (2622m), dem zweithöchsten Berg der Insel. Durch die Scala di Santa Regina, die wildeste Schlucht Korsikas, nordwestlich von Corte führt eine Straße oberhalb des Golo von Castirla bis Calacuccia. Die Straße führt weiter am Stausee von Calacuccia vorbei zunächst durch das Hochtal des Golo, zuletzt durch den Wald von Valdu Niellu, dem größten Wald der Insel, der größtenteils aus korsischen Schwarzkiefern besteht, bis zum Col de Vergio, dem höchsten Straßenpass (1477m), der das Inselinnere mit der Westküste bei Porto verbindet. Durch das Asco-Tal und die Asco-Schlucht führt eine Straße, die hinter Ponte Leccia beginnt und bei dem Ferienort Haut-Asco endet; von dem Dorf Asco führt ein Weg hinunter zur viel fotografierten Genueserbrücke über den Asco. Das Hochtal des Asco ist vor allem als Ausgangspunkt von Hochwanderungen beliebt, wie zum Monte Cinto, dem höchsten Berg der Insel.

Richtung Süden führt die Nationalstraße, die Bastia mit Ajaccio verbindet, von Corte zum Col de Vizzanova, von dessen einstiger strategischer Bedeutung die Ruinen eines genuesischen Forts künden. Der Ferienort Vizzanova inmitten des gleichnamigen Waldes wird vom Monte d«Oro (2389m) überragt. Vom Col de la Serra bei Vivario führt eine größtenteils einspurige, landschaftlich reizvolle Straße über den Col de Sorba nach Ghisoni, dem Hauptort des Berglands Fiumorbo, weiter zum Col de Verde (1289m). Das im Süden des Col de Verde beginnende südliche Bergland hat kaum noch alpinen Charakter; es hat erheblich weniger Attraktionen als das nördliche und das zentrale Bergland zu bieten und wird deshalb auch von Touristen eher vernachlässigt. Seine höchste Erhebung ist der Monte Incudine (2136m); der größte Ort ist Aullène (1600 Einwohner). Bedeutende prähistorische Funde sind im Musée Départemental in Levie zu besichtigen, auf dem Plateau von Levie liegt die torreanische Festung Castellu di Cucurruzzu. Bei Natur- und Wanderfreunden sind besonders Korsikas Fernwanderwege beliebt. Am bekanntesten ist der GR20 (»GR« steht für Grande Randonnée), der von Calenzana (südöstlich von Calvi) auf dem Grat des Zentralgebirges an fast allen Gipfeln über 2500m entlang bis Conca (nördlich von Porto-Vecchio) führt. Der etwa 170km lange Weg verläuft großteils auf über 2000m Höhe und bietet Unterkünfte in meist nicht bewirtschafteten Hütten (in der Hauptreisezeit oft überfüllt); in 15 Etappen sind insgesamt fast 10000m Höhenunterschied zu überwinden. Obwohl viel begangen, ist er nur für geübte Bergwanderer geeignet. Eine weniger anspruchsvolle, aber sehr reizvolle Alternative stellt der Fernwanderweg Tra Mare e Monti dar, der ebenfalls in Calenzana beginnt, allerdings in geringerer Höhe und kürzeren Teilstücken durch bewirtschaftete Gegenden und bewohnte Dörfer nach Cargèse an die Westküste führt. Ebenfalls in Cargèse endet der Traversée Nord, der im Zentrum Korsikas, in Sermano bei Corte, beginnt und sieben Tage beansprucht. Im Süden führt der Traversée Sud in sechs Etappen von der Ost- zur Westküste, nämlich von Porto-Vecchio über das niedrigere südliche Bergland nach Propriano.

 

KORSIKA - wichtige Informationen zum Wetter

 

Unerwartete Nordlage an der Ostküste Korsikas:

 

Die Ostküste Korsikas ist nicht besonders populär unter Seglern. Zu Recht. Der südliche Abschnitt der Ostküste  wird hingegen gerne besucht. Ja, er ist in mancherlei Hinsicht sogar attraktiver als die Westküste, weil man dort in einer Reihe von gemütlichen und romantischen Ankerbuchten mit teilweise hervorragenden Sandstränden gute Deckung  und sicheren Schutz vor Libeccio und Mistral findet. Und bei Flaute geht´s ab in die nahe gelegene Strasse von Bonifacio. Dort weht meist immer noch eine frische Brise.

Es gibt jedoch eine ausgesprochen unangenehme Nordlage an  der Ostküste, auf die die meisten Segler - bis auf die einheimischen - nicht eingestellt sind auf ihren gemütlichen und sicheren Ankerplätzen (oder auf ihrem Rückweg unter Termindruck nach Elba).

Die Situation entwickelt sich  etwa so:  Eine durch Mistral und Genuatief geprägte Starkwindperiode mit vorherrschend westlichen Windrichtungen geht zuende. Der Revierkundige merkt das u.a. daran, dass das Genuatief  in Bewegung gerät und langsam nach  Südosten abzuziehen beginnt. Die Wetterberichte melden das. Das abziehende Genuatief bringt auf seiner Rückseite aber früher oder später für die korsische Ostküste küstenparallele nördliche Winde mit sich, die gelegentlich auch im  Sommer recht heftig werden können und aus dem Stand innerhalb von 10 Minuten von null auf sechs bis sieben Windstärken auffrischen können - aus einer Richtung, mit der zu dieser Jahreszeit niemand rechnet.  Am unangenehmsten  ist es natürlich, wenn diese Erscheinung nachts oder gegen Morgen auftritt. Aber auch tagsüber kann dann aus einem gemütlichen Törn ein Kampftag werden.
Manchmal dauert der Spuk nur wenige Stunden, kann aber leider auch über  mehrere Tage gehen. Ist diese Nordlage   vorbei, beginnt in der Regel die nächste hoffentlich lange Schönwetterperiode, bis Mistral und Genuatief erneut ihr hartes Regime errichten.

Die Wetterberichte kündigen diesen  Nordwind nicht immer deutlich genug an. Die Einheimischen und Revierkundigen kennen ihn jedoch als klassischen Teil des Wetterzyklus der Region.

 

zum Thema MISTRAL : Wetterberichte im westlichen Mittelmeer

 

Im Westlichen Mittelmeer (das "schlicht zu den gefährlichsten Seegebieten der Welt gehört" so Bobby Schenk über den Golf de Lion) gibt es für Nicht-Franzosen ein mittleres  Problem: Die einzigen Wetterberichte, die wirklich etwas taugen, wenn es um die Frage aller Fragen geht  (Kommt der Mistral oder kommt er nicht - wann genau kommt er - wann geht er - wie stark wird er wehen?) sind die  französischen. Die Franzosen haben aber ein -  sagen wir mal - liebevolles Verhältnis zu ihrer Sprache und geben ihre Wetterberichte unbeirrbar nur auf französisch heraus. Das gilt sowohl für UKW als auch für Kurzwelle. Selbst  in der Hochsaison und bei Starkwind- und Sturmwarnung. Nicht einmal eine abschließende englische Zusammenfassung gibt es.

Ausweichen auf italienische, englische oder deutsche Wetterberichte ist aber nicht ungefährlich, da diese  in der zentralen Frage (siehe oben) keine hinreichende Kompetenz haben. (Wahrscheinlich weil die Franzosen früher über die lokalen Messdaten verfügen, die für eine verlässliche und stundengenaue Vorhersage ausschlaggebend  sind.)  Auch Barometer und Himmelsbeobachtung bieten keine zuverlässige Hilfe. (Westlich von Toulon steigt das Barometer vor dem Ausbruch des Mistral oft sogar leicht an.)  Also was tun?

 

Man sollte - womöglich - . . .

 

  • versuchen, mit Radio Monaco in Kontakt zu bleiben. Dort wird sowohl auf UKW als auch auf Kurzwelle der französische Wetterbericht im Wortlaut wiederholt und anschließend ins Englische übersetzt.

  • Hafenpersonal, Steg- oder Buchtnachbarn direkt fragen, vor allem wenn man einen größeren Törn vorhat.

  • dem Sprechfunkverkehr mit den Leuchttürmen zuhören oder diese selbst ansprechen - falls sie noch besetzt sind. Dort wird auf Wunsch  auch englisch gesprochen - in der Regel.

  • sein bisschen Französisch reaktivieren, die paar -zig einschlägigen Vokabeln lernen und vor allem im Hörtraining mit  aufgezeichneten Beispielen trainieren.

  • beachten, dass die Berichte nicht immer pünktlich rüberkommen. Sie können nicht nur hin und wieder große Verspätung haben, sondern werden leider manchmal  auch einige Minuten VOR dem angegebenen Termin abgesetzt. Die Ankündigung auf  Kanal 16 erfolgt aber ausnahmslos immer.

Und wenn der französische Wetterbericht für das Seegebiet westlich Korsika einen Wind aus West oder Südwest Stärke 4-5 ausdrücklich ankündigt, kann man das durchaus als erste höflich-dezente Andeutung einer  möglicherweise in den nächsten Tagen bevorstehenden Starkwindlage verstehen. Vor allem aber dann, wenn nach einer längeren Schönwetterperiode von ´gewittrigen Störungen´ die Rede ist, die ´vom Atlantik her heranzuziehen beginnen´. Mindestens ein oder zwei Tage wird es dann aber schon  noch dauern und vielleicht passiert auch gar nichts. (Der Begriff Mistral - oder auch Tramontane - wird übrigens im Wetterbericht nie benutzt.)

 

vom MISTRAL im Golf de Lion erwischt! WAS TUN?

 

versuchen, trotz allem den beabsichtigten Kurs zu fahren?

oder schnellstens kehrt und gegenan zurück an die Côte d´Azur?
oder vor dem Wind ablaufen?
oder beidrehen?
oder was ???

Der Mistral entwickelt eine  solche Gewalt und vor allem eine solch steile und ständig brechende Welle, dass die französischen Segler auch größeren Schiffen von all diesen Strategien abraten. Ihre Empfehlung:  am besten noch bevor es richtig losgegangen  ist versuchen, seitlich auszubrechen. Also zum Beispiel auf Steuerbordbug abrauschen  nach NordOst in Richtung Riviera, wenn man sich gerade auf einer Überfahrt von der Côte d´Azur nach Korsika befand. Keinesfalls versuchen,  vor dem Sturm abzulaufen und Calvi oder Ajaccio anzusteuern. Oder auf Backbordbug ab nach Südwest in Richtung spanische Küste, wenn man auf dem Weg zu den Balearen war.

Die zentrale Zone der wirklich extremen Windstärken ist bei  Mistral nämlich recht eng begrenzt. Sie greift meist in lang gestreckter Zungenform etwa von Nordwest nach Südost  (ganz grob die Linie Marseille - Nordsardinien oder auch Balearen) in den Golf de Lion hinaus und ist oft nur  wenige Meilen bis -zig Meilen breit aber 100 und mehr Meilen lang. Sie schwenkt oft im Verlauf  langsam immer mehr in Richtung Nordkorsika (Balagne / Cap Corse) um danach abzuschwächen. Wer also vor dem Wind nach Südosten  abzulaufen versucht, läuft Gefahr, in dieser Extremzone zu verbleiben oder in sie hinein zu geraten und in eine problematische Lage zu kommen. Denn je länger der Mistral weht und je weiter der Fetch (also die Entfernung von der  französischen Küste) ist, umso unangenehmer wird die Welle. Einige Meilen links oder rechts von dieser Sturmzunge´ hingegen sind die Verhältnisse zwar noch schwierig genug, aber handhabbar.

Nach allem was man hört, erübrigen  sich Diskussionen über beidrehen oder gar gegenan (´Moitessier-Kurs´) bei Mistral. Diese Sturmstrategien werden durch die spezifische Form der Welle bei Mistral ganz einfach unmöglich.

 

Nächtliche Beruhigung des MISTRAL?

 

.  ...ein weit verbreiteter und manchmal folgenschwerer

IRRTUM

Nachts beruhigen sich in aller Regel Wind und Welle erheblich. Das ist eine Grunderfahrung des Küsten-Skippers im westlichen Mittelmeer, die zu allen Jahreszeiten und bei nahezu allen  Wetterlagen gilt. Und wenn schon das Fahrtziel in der ´falschen´ Richtung liegt und wir womöglich motoren müssen, dann lieber nachts. Das hat eine ganze Reihe von Vorteilen - so die durchaus korrekte Schlussfolgerung.

Diese in  Küstennähe gewonnene Erfahrung  und die darauf beruhende Entscheidung zugunsten von Nachtfahrten kann bei Mistral üble Folgen haben. Die scheinbare nächtliche Beruhigung des Mistral betrifft nämlich nur das Land sowie einen  mehr oder weniger schmalen Streifen an der Küste. Draussen  -  das heißt nur wenige Meilen vom plötzlich angenehm ruhig gewordenen Liegeplatz im Hafen oder in der Bucht entfernt - bläst der Mistral mit uneingeschränkter  Kraft weiter,  auch bei Nacht.

Wenn man zum Beispiel bei dieser Wetterlage abends irgendwo von der südfranzösischen Küste aus aufbricht, ein Stückchen zu weit hinaus gerät und der Starkwind einen erst einmal erfasst hat,  ist schnell ein ´point of no return´ passiert und an einen Rückzug nicht mehr zu denken.

Den revierfremden Gästen an Bord ist das alles nicht bekannt und es gehört zu den unangenehmen Aufgaben eines verantwortungsvollen  Skippers, in einer solchen Situation allen, die da drängeln und mehr oder weniger offen an seiner Kompetenz und seinem Mut zu zweifeln beginnen, entschlossen zu widerstehen und den ´ruhigen´ Liegeplatz nicht zu verlassen, bis die  Sturmwarnung aufgehoben ist.

Und den in der einschlägigen Literatur verbreiteten besonderen seglerischen Leckerbissen einer schnellen Rauschefahrt ´auf dem Schwanz´ des ausklingenden Mistral hinüber nach Korsika sollte man  lieber den gewieften einheimischen Seglern mit ihrem in Jahrzehnten erworbenen 6. Sinn für diese Wetterlage überlassen.

 

"Schlupfwinkel" rund KORSIKA

 

Wenn schlechtes Wetter angesagt ist, sind die Häfen rund Korsika bald voll belegt und es beginnt die Suche nach schützenden Ankerplätzen. Solche Schlupfwinkel finden sich an vielen Stellen rund Korsika in Form von mehr oder weniger geschützten Buchten. Ein Abgleich mit der genauen Seekarte an Bord wird dem Skipper noch deutlicher zeigen, gegen welche Windrichtungen - und gegen welche Dünung - die einzelnen hier nur  knapp vorgestellten Ankerplätze Schutz bieten.

 

Prädikate zu den Ankerplätzen:



M

= Dünung des Mistral erreicht den Ankerplatz NICHT



m

= Dünung des Mistral erreicht den Ankerplatz sehr stark abgeschwächt



L

= Dünung des Libeccio (Starkwind aus SW) erreicht den Ankerplatz NICHT



l

=  Dünung des Libeccio (Starkwind aus SW) erreicht den Ankerplatz sehr stark abgeschwächt





Reede von  MACINAGGIO

42° 57.770  - 9° 27.350 

M    L

direkt neben dem Hafen, offen gegen östl. Winde + Dünung, bei Mistral sehr heftige Böen; nördlich anschließende Buchten mit nächtlichem Ankerverbot; komplette Versorgung im Hafen

Reede von  CENTURI

42° 57.953  - 9° 20.701

 

interessanter  Gutwetterankerplatz, keinerlei Schutz bei westl. Winden + Dünung; Die vor einigen Jahren vergrößerten Hafenanlagen sind von den Winterstürmen zerschlagen, der Hafen daher nicht nutzbar für die Sportschifffahrt. Zweitgrößter Hummer- + Langustenfangplatz Frankreichs, Fischrestaurants der Spitzenklasse; Versorgung im Hafen


Reede von  ST. FLORENT

, gleich vor dem Hafen     ca. 42° 40.85    -  9° 17.85   

 

moddriger Ankergrund; bei Starkwind 2 Anker; recht gut geschützt bei allen Lagen; Versorgung in St. Florent

 

Die Buchten am Westufer des

GOLF v. ST. FLORENT

, z.B.:



ANSE DE FORNALI

42° 42.24  -  9° 15.8     m  l



VAGHIO

42° 42.10  -  9° 15.71   l



FIUM SANTO

42° 42.45  -  9° 15.42   l

 

Versorgung jeweils in St. Florent




L´ILE ROUSSE

a) westl. oder b) östl. der Halbinsel, je nach Wetterlage; hier ist zu beachten:

 

Die Plätze an der Beton-Mole des Sporthafens (nur vor Anker möglich) können gefährlich werden, weil der Wind gelegentlich  auf  N oder gar NE dreht und dann halten die Anker nicht mehr und die Beton-Mole wird zu einem Problem. Versorgung in L´Île Rousse

 

Buchten im

GOLF von REVELLATA

(vor CALVI)   42° 33.918 -  8° 43.821    

m    L

guter Schutz gerade auch gegen Libeccio (Wind aus SW), sehr wild; sehr guter Ankergrund; keinerlei Versorgung

GALERIA

42° 25.00    - 8° 38.83    

l

nicht bei N- oder NW-Wind bzw. -Dünung; bescheidene Versorgung, kein Wasser, kein Diesel




MARINA d´ELBO

42° 22.334 -  8° 34.36    

l

landschaftlich einzigartig; nächtliches Ankern untersagt; eklige Riffe vor der Einfahrt; keinerlei Versorgung




GIROLATA

42° 20.88 -  8° 36.979   

m   l

landschaftlich einzigartig;  weltweit bekannt; im Sommer oft schöne große Segler auf Reede; die hohe Kunst des Ankerns in einer (meist) schon weitgehend belegten Bucht ist gefragt. Risiko im Sommer: bei Starkwindwarnung schnell überfüllt und dann ist die nächste Alternative weit; Auch bei Schönwetter manchmal unberechenbare umlaufende starke Böen, unzuverlässiger Ankergrund; sehr bescheidene Versorgung, kein Diesel, kein Wasser.

Flusshafen PORTO

42° 16.059  - 8° 41.548

 

sehr kleiner Hafen, Wassertiefe nimmt zum Hafeninneren schnell auf ca. 0,80 m ab; Ankerplätze auf Reede (oft sehr schaukelig); bescheidene Versorgung, Diesel, Wasser per Dingi

Reede von CARGESE

42° 07.66     - 8° 35.96

 

direkt vor dem Hafen oder eine Bucht weiter; recht sicher außer bei starken SW-lichen Winden bzw. Dünung; sehr gute Versorgung im Dorf, aber anstrengender Anstieg; Diesel und Wasser im Hafen,  Wasser aber meist nur stundenweise

SAGONE

42° 06.79    - 8° 41.40   m   l

 

Nur Mut und tief hinein in die Bucht. Unbesetzte Bojen dürfen  benutzt werden. Sollte der Besitzer doch noch kommen - Pech gehabt aber kein echtes Problem. Sicher und ruhig - auch bei Mistral mittlerer Stärke, schaukelig bei starkem Mistral und Libeccio; Versorgung ok, aber Wasser schwierig, kein Diesel.

Reede von AJACCIO

*ca.*  41° 55.88   - 8° 44.785    M   l

 

tief hinten in der Hafenbucht, zwischen dem Hafen ´Charles Ornano´ und dem großen Beton-Anleger; tiefer und sehr schlammiger Ankergrund - genug Kette legen;  Beste Versorgungsmöglichkeiten an Land;  Wasser kostenlos im Hafen nach Anmeldung; Diesel in beiden Häfen

ANSE DE SAINTE BARBE

41° 50.96  - 8° 45.83     m   l

 

gegenüber Ajaccio (4,5 M); etwas schaukelig aber sicher; je nach Wind und Dünung auch auf der  gegenüberliegenden Seite der Landzunge die

ANSE DE MEDEA

41° 50.51  - 8° 45.83 ; keine Versorgung




CASTAGNA

l

 

an der Nordflanke der Landzunge hinter dem CAP CASTAGNA  (41° 47.707 -  8° 42.228); ankern oder besser festmachen an einer freien Boje in der kleinen Bucht

PORTIGLIOLO

Unbesetzte Bojen dürfen  benutzt werden. Sollte der Besitzer doch noch kommen - Pech gehabt aber kein echtes Problem. Bei starkem Wind oder Dünung aus W oder SW zunehmend schaukelig; Vorsicht: viele eklige Riffe in der Umgebung; keine Versorgung

PORTO POLLO

-      41° 42.53 -  8° 47.76   

m

CAMPOMORO

41° 37.93  - 8° 48.90    

m    L

beide am Eingang des G. v. Propriano (Valinco); Steht der Wind mehr aus Süd, ist CAMPOMORO (am Südufer) vorzuziehen, steht der Wind aus eher nördl. Richtungen > PORTO POLLO (am Nordufer); Vorsicht - in beiden Fällen Riffe bei der Annäherung; bescheidene Versorgung per Dingi

CONCA     l

gleich nördlich an der Basis der Landzunge des CAP SÉNÉTOSA ; bei starkem Wind oder Dünung aus eher W - NW zunehmend schaukelig; keinerlei Versorgung, wild; Vorsicht: beim Runden des CAP SÉNÉTOSA mindestens 400 m Abstand halten

TIZZANO

41° 32.489 -  8° 51 052

 

kleiner sehr flacher Fischer´hafen´, nur für kleine Schiffe mit geringem Tiefgang; bei Wind / Welle aus NW - N guter Schutz auf Reede gleich vor dem ´Hafen´; bescheidene Versorgung per Dingi möglich

ROCCAPINA

41° 29.62  - 8° 56.16   

m   l

guter Schutz außer bei SW-Lage; sehr schöne Lage; sehr flacher feinsandiger Strand; Klippen + Riffe; guter Warteplatz für Starkwindfahrt durch die Str. v. Bonifacio; wild, keinerlei Versorgung

FIGARI     M  l

Ansteuerungspunkt für die Einfahrt in die tiefe und sehr geschützte Bucht: 41° 27.348  - 9° 03.497
extreme Vorsicht beim Navigieren, neben der Fahrrinne sehr bald sehr flach und voller Klippen und Riffe; gewissenhaftes Kartenstudium vor der Ansteuerung der Bucht geboten; voll ausgebauter Hafen CALDARELLO ganz am Ende der Bucht; dort volle Versorgung



STRASSE von BONIFACIO

Hafen Bonifacio zwar ständig überfüllt, aber irgendwie findet sich oft doch noch ein Platz - und sei es ´auf dänisch´ im Päckchen in der 3. Reihe im Fahrwasser - dann natürlich zusätzlich am eigenem Anker,

Alternativen:

die Bucht LA CATENA kurz vor dem Hafen (schwieriges Ankern);

oder: bei drohendem Mistral die Südostküste Korsikas;

oder: die Vielzahl von sehr sicheren Buchten in Nordsardinien von  SANTA REPARATA  m L bis zu  den Schlupfwinkeln des MADDALENA - Archipels  M L;

zu bedenken: aus BONIFACIO kommt man bei Mistral oft nur schwer und spät wieder heraus, dort unten weht er am  heftigsten und am längsten

a) SPERONO

b) PIANTARELLA     M    L
gleich unmittelbar nordöstlich der Südostecke Korsikas (41° 22..057  - 9° 13.271) zwei Ankerplätze: a) südwestlich und b) nordwestlich der flachen Insel Piana, genaues Kartenstudium und höchste Aufmerksamkeit (!!) dringend empfohlen; nur bei Tageslicht befahrbar; teilweise sehr hübsch bis ´karibisch´; sicher außer gegen östl. Wind + Welle; keine Versorgung

Insel LAVEZZI, insgesamt sehr ausgesetzt; landschaftlich sehr herb und faszinierend; je nach Windrichtung . . .

CALA LAZARINA, Schutz bei jeder Windrichtung,   41° 20.261  - 9° 15.10     m   l , aber schwierige Navigation , Klippen + Riffe, und tagsüber oft überfüllt;

ANSE DE GIUNCO, gleich östlich anschließend; Vorsicht, Klippe mitten in der Bucht;

CALA DI GRECO

41° 20. 523  - 9° 15. 625    l ;

Vorsicht bei gelegentlich plötzlich einsetzenden nördl. Winden ; keinerlei Versorgung auf der Insel

Insel

CAVALLO

, insgesamt sehr ausgesetzt; je nach Windrichtung:

 

CALA DI ZERI ,  offen gegen n-östl. Winde   41° 22.32 -  9° 16.32      m    l

CALA DI GRECO

,  Ankern (eigentlich) verboten, 41° 22.480  - 9° 15.805    

m   l

CALA DI PALMA ,  klein, hübsch, Riffe + Klippen, offen gegen Ost,  41° 21.954  - 9° 16.176    m  l

CAVALLO ist (oder war?) die Insel der Superreichen mit Flugplatz mitten im Naturschutzgebiet. Entgegen der Beschilderung im Hafen darf (sollte?) man die Insel durchaus betreten. Versorgung im Hafen CAVALLO möglich; Liegegebühren dort  astronomisch hoch

G. v. SANTA MANZA, CAPO BIANCO 41° 25.620  - 9° 13.981      M    L, gut geschützt außer gegen NE, keine Versorgung;

Calanque von STINTINO M    L , eine halbe Meile weiter nach S, Einfahrt: 41° 24.865 -  9° 13.271

sehr guter Schutz rundum, immer ruhiges Wasser, aber nur für kleinere Schiffe mit geringem Tiefgang; keine Versorgung

RONDINARA,  41° 28.213 -  9° 16.269       M    L
Kultbucht, sehr sicher und ruhig; Klippe hinter der Einfahrt; oft überfüllt;  schaukelig bei Dünung aus SE - dann in den nördlichen Teil wechseln - oder nach  Porto Nuovo; Versorgung (nur im Sommer) auf dem Campingplatz hoch über der Bucht (frische Baguettes + Croissants)

PORTO NUOVO (mit kleiner Nebenbucht)  41° 30.09 -  9° 16.36      M    L
sicherer Schutz gegen Libeccio (aus SW) + Mistral, wild, meist viel Platz; keine Versorgung

SANTA GIULIA

,  41° 31.74   -  9° 16.66     

M    L

sicherer Schutz gegen Libeccio (aus SW) + Mistral, sehr offen gg. östl. Winde); zunehmend geprägt durch Bebauung und Bodenspekulation; bescheidene Versorgung am Nordufer (?)

GOLF v. PORTO VECCHIO    M    L
gewissenhaftes Kartenstudium vor der Einfahrt empfohlen;

STAGNOLO,   M    L , sehr sicher; gefährliche Navigation bei der Einfahrt   41° 37.298  - 9° 18.928

Reede von PORTO VECCHIO,   M    L ,   41° 35.70  - 9° 18.374  ;gleich vor dem SPORT-Hafen (Klippen!) und auch knapp 1 Meile gegenüber dem SPORT-Hafen; für alle drei gilt: schlammiger unsicherer Ankergrund; Versorgung (nur) im Sporthafen

ST.  CYPRIEN

,  gleich nördl. des G.v. P. VECCHIO;   41° 37.95   -  9° 21.19   M    L ,

recht hübsch, schöner Strand, sehr sicher, je nach Lage nördlicher oder südlicher Teil, viel Wasserski; Versorgung im Sommer in dem kleinen Feriendorf, kein Wasser, kein Diesel

PINARELLO

41° 40.50    - 9° 22.82       M    L ,

sehr weite, nur gegen NE offene Bucht, sehr sicher; Versorgung im Sommer in dem kleinen Feriendorf, kein Wasser, kein Diesel

An der Ostküste Korsikas zwischen  PINARELLO und  MACINAGGIO gibt es keine größeren geschützten Buchten. Hier kommen nur die Häfen Solenzara, Campoloro und Bastia als Schutz in Betracht.


[Diese Aufstellung - ebenso wie nachfolgende Beschreibung der Mittelmeerwetterlagen - stammt von Rudolf Jüngemann, der sie freundlicherweise ins Internet gestellt hat. Die Häfen und Buchten habe ich mit ganz wenigen Ausnahmen in den vergangenen Jahren selbst angelaufen und kann die obigen Angaben bestätigen. Olaf Bruns]

Dieses jedoch soll nur ein kurzer Abriss Korsikas gewesen sein.  Wer mehr über Korsikas Buchten und Häfen erfahren möchte, kann dieses in Ollis

"kleinem Korsika Bucht- und Hafenführer Toskanischer Archipel und Korsika" nachlesen.

Zusammenfassung der Wegepunkte Korsika

Rückfragen bei Olaf Bruns - Tel.: 0551 - 78692 oder Mail an Olli:

 
 

Lobe das kleine Boot, aber die Ladung bringe auf einem großen Schiff unter.
Hesiodos, griechischer Epiker
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